Der erste Satz
Blutüberströmt liegt der Horizont da und bringt durch einen Kaiserschnitt einen Tag zur Welt, für den sich die Mühe letztlich nicht gelohnt haben wird.
Inhalt
Algiers Intellektuelle sind das Ziel einer terroristischen Gruppe. Kommissar Llob ermittelt, scheint jedoch in ein Wespennest gestochen zu haben, da er nicht davor zurückschreckt auch korrupten Reichen auf den Zahn zu fühlen.
Meine Meinung
Bisher kannte ich von Khadra Die Attentäterin, das mich sehr begeistert hat. Entsprechend hoch gesteckt waren meine Erwartungen, die allerdings nicht erfüllt wurden.
Sprachlich pendelt Khadra bei Morituri zwischen derber Gossensprache und poetischen Formulierungen, woran man sich aber durchaus gewöhnen kann, wenn man nicht zimperlich ist. Meine größten Kritikpunkte liegen woanders:
Zunächst sind da die Figuren, die allesamt eher lieblos beschrieben werden und dementsprechend flach bleiben. Nichts von der psychologischen Tiefe, die mich bei der Attentäterin so beeindruckt hat. Außerdem treten ständig neue Figuren auf, die ebenso schnell wieder verschwinden, sprich: sterben. Irgendwann habe ich es aufgegeben, mir die Namen merken zu wollen oder die entsprechende Person ins Netz der Handelnden einzufügen.
Auch die Atmosphäre des Buches ist eher schwach, Khadra lässt dem Leser kaum Gelegenheit “sich umzuschauen”. Die Handlung hätte außerdem genauso gut in jeder anderen vom islamischen Terrorismus und Korruption gebeutelten Stadt stattfinden können. Wobei wir bei einer Stärke des Buches angelangt sind: der Darstellung von Angst und Hilflosigkeit. Diese zentralen Punkte des Buches beschwört Khadra gekonnt, teilweise mit wenigen Worten herauf, so dass es mir manches Mal die Kehle zuschnürrte. Hier zeigt Khadra nicht nur den allgemeinen Missstand sondern lässt es persönlich werden, wobei sich dann doch sein psychologisches Fingerspitzengefühl zeigt. Leider viel zu selten, zum Großteil ergeht er sich in den Schimpftiraden über die Korruption und persönlichen Scharmützeln des Kommissars mit irgendwelchen hohen Tieren.
Zu guter Letzt: wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Buch ein Krimi. Bei einem solchen setzte ich eine gut konstruierte Handlung voraus, Khadras Kommissar hingegen hangelt sich eher von einer Pleite zur nächsten und kommt doch immer einen Schritt weiter, ohne dass es für mich immer nachvollziehbar war, weshalb. Wenn in so einem Fall das Drumherum nicht stimmt – schade!
Der Autor
Yasmina Khadra, eigentlich Mohammed Moulessehoul, 1955 in Algerien geboren, lebt mit seiner Familie seit 2000 in Frankreich.
Yasmina Khadra – Morituri
Aus dem Französischen von Bernd Ziermann und Regina Keil-Sagawe
Unionsverlag metro, 2001
176 Seiten