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literarische Einblicke

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Yasmina Khadra – Morituri

Geschrieben von seitenansicht - 26. August 2009

morituriDer erste Satz
Blutüberströmt liegt der Horizont da und bringt durch einen Kaiserschnitt einen Tag zur Welt, für den sich die Mühe letztlich nicht gelohnt haben wird.

Inhalt
Algiers Intellektuelle sind das Ziel einer terroristischen Gruppe. Kommissar Llob ermittelt, scheint jedoch in ein Wespennest gestochen zu haben, da er nicht davor zurückschreckt auch korrupten Reichen  auf den Zahn zu fühlen.

Meine Meinung
Bisher kannte ich von Khadra Die Attentäterin, das mich sehr begeistert hat. Entsprechend hoch gesteckt waren meine Erwartungen, die allerdings nicht erfüllt wurden.
Sprachlich pendelt Khadra bei Morituri zwischen derber Gossensprache und poetischen Formulierungen, woran man sich aber durchaus gewöhnen kann, wenn man nicht zimperlich ist. Meine größten Kritikpunkte liegen woanders:

Zunächst sind da die Figuren, die allesamt eher lieblos beschrieben werden und dementsprechend flach bleiben. Nichts von der psychologischen Tiefe, die mich bei der Attentäterin so beeindruckt hat. Außerdem treten ständig neue Figuren auf, die ebenso schnell wieder verschwinden, sprich: sterben. Irgendwann habe ich es aufgegeben, mir die Namen merken zu wollen oder die entsprechende Person ins Netz der Handelnden einzufügen.

Auch die Atmosphäre des Buches ist eher schwach, Khadra lässt dem Leser kaum Gelegenheit “sich umzuschauen”. Die Handlung hätte außerdem genauso gut in jeder anderen vom islamischen Terrorismus und Korruption gebeutelten Stadt stattfinden können. Wobei wir bei einer Stärke des Buches angelangt sind: der Darstellung von Angst und Hilflosigkeit. Diese zentralen Punkte des Buches beschwört Khadra gekonnt, teilweise mit wenigen Worten herauf, so dass es mir manches Mal die Kehle zuschnürrte. Hier zeigt Khadra nicht nur den allgemeinen Missstand sondern lässt es persönlich werden, wobei sich dann doch sein psychologisches Fingerspitzengefühl zeigt. Leider viel zu selten, zum Großteil ergeht er sich in den Schimpftiraden über die Korruption und persönlichen Scharmützeln des Kommissars mit irgendwelchen hohen Tieren.

Zu guter Letzt: wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Buch ein Krimi. Bei einem solchen setzte ich eine gut konstruierte Handlung voraus, Khadras Kommissar hingegen hangelt sich eher von einer Pleite zur nächsten und kommt doch immer einen Schritt weiter, ohne dass es für mich immer nachvollziehbar war, weshalb. Wenn in so einem Fall das Drumherum nicht stimmt – schade!

Der Autor
Yasmina Khadra, eigentlich Mohammed Moulessehoul, 1955 in Algerien geboren, lebt mit seiner Familie seit 2000 in Frankreich.

Yasmina Khadra – Morituri
Aus dem Französischen von Bernd Ziermann und Regina Keil-Sagawe
Unionsverlag metro, 2001
176 Seiten

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Yasmina Khadra – Die Attentäterin

Geschrieben von seitenansicht - 7. März 2009

Klappentext
Amin Jaafari ist Chirurg in einem Krankenhaus in Tel Aviv. Er erhält die schreckliche Nachricht, dass seine Frau bei einem Attentat ums Leben kam. Nicht genug damit – seine Frau soll den Anschlag selbst verübt haben. Das kann Jaafari unmöglich glauben. Gegen alle Ratschläge seiner Freunde macht er sich auf die Suche nach den Motiven und Hintergründen des Verbrechens. Dabei gerät er immer tiefer in die Verstrickungen einer tödlichen Feindschaft.

Der erste Satz
Ich erinnere mich nicht, eine Detonation gehört zu haben.

Meine Meinung
Das Buch ist die Annäherung an eine Selbstmordattentäterin durch ihren Ehemann. Das ist zwangsweise mit vielen Emotionen verbunden, die Khadra schmerzlich detailliert darstellt – beeindruckend, einfühlsam, nachfühlbar. Die sensibel dargestellte Entwicklung, die Amin Jaafari durchlebt, vom physischen und psychischen Zusammenbruch bis zur Ruhe der Erkenntnis, ergibt dabei das ergreifende Psychogramm eines Mannes. Ich versuche, Sihems Tat zu begreifen, und finde keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung dafür. Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger leuchtet es mir ein.Auch der Leser bleibt ratlos. Dabei lässt Khadra die Seite der Attentäter ebenso zu Wort kommen, versucht ihren Standpunkt nachzuzeichnen, kann ihn aber nicht ergründen. Das letzte Stück auf dem Weg zum Selbstmordattentat bleibt unklar. Die Verzweiflung, die einen auf diesen Weg bringen kann, stellt Khadra gekonnt dar, macht sie greifbarer, seine differenzierte Darstellung hilft nachzuvollziehen, aber nicht zu verstehen. Der Leser kann lediglich seinem präzisen Blick auf das gegenseitige Aufschaukeln zu immer mehr Gewalt folgen. An einer Stelle formuliert Amin den Unterschied zwischen sich und einem Islamisten: Für ihn liegt das Paradies am Ende des Menschenlebens; für mich liegt es am Ende der ausgestreckten Hand. (S. 236)

Die Suche Amins wird teilweise begleitet von zwei Personen: dem Polizeibeamten Naveed Ronnen und der Chirurgin Kim Yehuda. Beide sind Beschützer und Beistand. Zum Glück bleibt es bei der sensiblen Freundin und es entwickelt sich keine Romanze, welche meines Erachtens die psychologischen Feinheiten der Geschichte gestört hätte. Amins Fahrten bilden seine Entwicklung ab, quasi die Stufen des Verstehens, wobei seine Rückkehr zu den Wurzeln sein Zur-Ruhe-kommen verdeutlicht.
Das letzte Kapitel verliert leider an Intensität, bevor es zum erschütternden Ende kommt, das eigentlich nur so eintreten kann, wie Khadra es schildert.

Der Autor
Yasmina Khadra, eigentlich Mohammed Moulessehoul, 1955 in Algerien geboren, lebt mit seiner Familie seit 2000 in Frankreich.

Mein Vater pflegte zu sagen:
„Wenn dir einer erzählt, dass es eine erhabenere Symphonie gibt als den Atem, der dich belebt, dann belügt er dich. Er will dir das schönste nehmen, was du hast: die Chance, jeden Augenblick deines Lebens auszukosten. Wenn du vom Prinzip ausgehst, dass derjenige dein schlimmster Feind ist, der Hass in dein Herz zu säen versucht, dann hast du schon das halbe Glück gewonnen. Nach dem Rest musst du dann nur noch die Hand ausstrecken. Und erinnere dich immer daran: es gibt nichts, absolut nicht, was über deinem Leben steht… Und dein Leben steht nicht über dem der anderen.“
Ich habe es nicht vergessen. (S. 106f)

Yasmina Khadra – Die Attentäterin
Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe
Nagel & Kimche, 2006
272 Seiten

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